Nationale Maritime Konferenz: Mit Planungssicherheit und Klimaschutz unsere Maritime Wirtschaft stärken

Claudia Müller, bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete für Mecklenburg-Vorpommern, erklärt zur Nationalen Maritimen Konferenz 2026 in Emden:

„Die Nationale Maritime Konferenz darf kein Schaulaufen werden. Mecklenburg-Vorpommern braucht endlich Planungssicherheit – beim Offshore-Ausbau, bei den Wasserstoffzielen und beim Aufbau der Infrastruktur für klimaneutrale Kraftstoffe wie Methanol und Ammoniak. Dafür muss die Bundesregierung aufhören, den Klimaschutz zu torpedieren und Unternehmen weiter zu verunsichern.

Unsere Häfen sind nationale Infrastruktur. Deshalb muss der Bund auch Verantwortung übernehmen: mit verlässlichen jährlichen Investitionen von mindestens 500 Millionen Euro statt der seit 2005 nahezu unveränderten Bundesfinanzierung von gerade mal 38 Millionen Euro. Rund 15 Milliarden Euro werden insgesamt gebraucht, um den Sanierungs- und Modernisierungsstau zu beseitigen. Das Sondervermögen Infrastruktur bietet jetzt die Chance, diese Mittel zu mobilisieren – es muss genutzt werden.

Wir brauchen aber nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Strategie. Der bisherige Infrastrukturwettbewerb zwischen den Küstenländern ist volkswirtschaftlich sinnlos. Wenn alle Standorte gleichzeitig in alle Zukunftsfelder investieren, entstehen Überkapazitäten, die niemand braucht. Die Bundesregierung muss das Heft des Handelns in die Hand nehmen: klare Entscheidungen zu Spezialisierung und Kooperation, gemeinsam mit den Ländern und eingebettet in eine europäische Hafenstrategie. Dazu gehören auch klare Made-in-Europe-Vorgaben – für Offshore-Komponenten, Hafenkräne und den Schiffbau. Was unsere Versorgungssicherheit trägt, darf nicht von fragilen globalen Lieferketten abhängen.

Zur Sicherheitsarchitektur gehört auch der Schutz unserer maritimen Infrastruktur. Die Bundesregierung muss sich für Redundanzen bei der Unterseekabelinfrastruktur und ausreichende Reparaturkapazitäten einsetzen. Und sie muss die Schattenflotte endlich stoppen – durch konsequente Kontrollen des Umwelt- und Seerechts. Ein erster konkreter Schritt wäre die Durchsetzung des bestehenden Verbots für Einhüllentanker in der Ostsee.

Mecklenburg-Vorpommern kann von der maritimen Wende profitieren – aber nur, wenn die Bundesregierung endlich Kurs auf Zukunft setzt.“


Hintergrund:

Das Positionspapier „Deutsche Seehäfen stärken – Verantwortung gemeinsam wahrnehmen“ wurde von den Sprecher*innen für Häfen und maritime Wirtschaft der bündnisgrünen Bundestagsfraktion sowie der Landtagsfraktionen von Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen und der Bürgerschaftsfraktionen von Hamburg und Bremen zur Nationalen Maritimen Konferenz 2026 in Emden verabschiedet. Sie formulieren darin konkrete Forderungen für eine strategische Neuausrichtung der deutschen Hafenpolitik – von einer koordinierten Investitionsplanung über die Dekarbonisierung der Schifffahrt bis hin zu einer dauerhaften, deutlich erhöhten Bundesfinanzierung.

(Emden, der 29. April 2026)